Erbsenzählerei 2.0
Ich hab diese Diskussion in Manuela Hoffmans Weblog verfolgt.
Das ganze hat mich dann doch etwas nachdenklich gestimmt. Ich habe das Gefühl, dass das ewige Predigen von Webstandards eine neue Art von Webdesignern hervorgebracht hat. Eine Art, die sich nicht mehr als Designer im Sinne eines Gestalters versteht sondern eher als Coder. Es scheint unglaublich wichtig geworden zu sein, dass eine Seite validiert. Dass das nur sehr wenig über die Qualität des Codes aussagt, scheint eine nicht sehr weitläufig verbreitete Erkenntnis zu sein.
Nur als Beispiel: In XHTML 1.0 Strict gibt es target=“_blank“ nicht mehr. Aus Sicht der Usability ist das OK – im Sinne des großen Ganzen, könnte man darüber streiten (wie über viele andere Spezifikationen auch). Der Punkt ist aber, dass es Methoden gibt, ein neues Fenster mit JavaScript zu öffnen. Daraus resultiert eine Website, die eigentlich nicht den gültigen Vorgaben entspricht aber validiert. Hurra.
Aber mal zurück zur Vogelperspektive. Ist es legitim, eine Page fast ausschließlich aufgrund ihres Codes zu beurteilen?
Ist es nicht so, dass es immer noch besser ist, eine gut konzipierte und gestaltete Seite zu haben, die mittelmäßig programmiert ist als umgekehrt? Sind Dinge wie Architektur des Contents, zielgruppenadäquates Design, logische Benutzerführung und produktgerechtes Wording als Qualitätsmerkmal aus der Mode gekommen?
Uff, manchmal verlässt mich wirklich das Vertrauen in unsere Branche …









Ich hatte letztens eine interessante Unterhaltung: Warum darf ich mich ohne gestalterisches Studium - ohne Diplom, MA, BA, … Designer nennen (wenn es auch nur ein Screen Designer ist)? Meine Antwort dazu: Design ist Gestaltung (und dafür brauche ich kein Studium), Programmierung ist aber auch Design. Ein ganz wichtiger Aspekt der Programmierung beschäftigt sich mit dem Code Design (und ich meine nicht die Prager Notation). Programmierung ist kreativ, Gestaltung ist kreativ und wenn Beides zusammenkommt (die Seite sauber programmiert ist und auch noch aus gestalterischer Sicht gut aussieht), bin ich der Meinung, dass ich den von einer privaten Fortbildung (IHK Zertifikat) verliehenen Titel zurecht tragen darf. Wobei die Programmierung eh nur durch Training in die Gänge kommt und Gestalten kann man entweder, oder man kann es nicht - dann bleibt einem nur ein Studium des Design´s um sich an vorgegebenen Stilen zu orientieren und so zu tun als ob….
Greetings phaziz.com!
Ich gebe dir Recht bis zu der Stelle „ Gestalten kann man entweder, oder man kann es nicht “.
Man kann/muss gestalten lernen! Als ich meine Ausbildung begann hatte ich Talent. Von Gestalten hatte ich keine Ahnung.
Natürlich kann man mit Talent sehr weit kommen. Ohne entsprechende Ausbildung wird es aber für einen selber ungleich schwerer sein, über Jahre hinweg für die unterschiedlichsten Branchen und Anforderungen, die optimale Designsprache zu finden. Natürlich muss man dabei aber einschränken, dass es je nach Firmenkonzept und Kundenstruktur andere Qualitätsmaßstäbe an das Thema Design gibt …
Letztlich ist der Punkt, dass diese Branche groß genug ist um sich in verschiedenen Sparten zu bewegen. Der eine ist ein begnadeter Programmierer. Ein weiterer mag ein guter Designer sein. Wieder einer mag sich auf Informationsarchitektur spezialisieren und dort seine Erfüllung finden.
Der Punkt meines Artikels war aber, dass ich es nicht für legitim erachte, eine Seite ausschließlich aufgrund ihres Codes zu beurteilen nach dem Motto „Ja, ja, schaut nett aus aber …“.
Genauso, wie ich es nicht für legitim erachte, dieses nur aus Sicht des Designs zu tun.
Und Hand auf’s Herz: Es wird wohl niemand ernsthaft behaupten, dass Manuelas Seite schlecht programmiert ist, oder?
Was heißt da eigentlich „ wenn es auch NUR ein Screen Designer ist “???