Bye, bye, WSA
Abgesehen davon, dass ich diesen Award immer besonders geschätzt habe, weil er immer versucht hat „klein aber fein“ zu bleiben, ist das ein sehr spannender Anlass um sich mal die aktuelle Situation anzusehen.
Der Grund für die Schließung der Web Standards Awards lautet wie folgt:
„Now we’ve arrived at a situation where beautiful sites with beautiful code are being produced by the hundreds; every month, every week, every day.“
Diese Meinung kann ich nicht ganz teilen. Auf den ersten Blick mag das stimmen aber wenn man sich mal ansieht was da so prämiert wird, kann man feststellen, dass es sich in großem Maße um persönliche Blogs von Designern bzw. Auftritte von Agenturen handelt (was natürlich nicht die Qualität der prämierten Seiten schmälern soll). „Echte“ Auftragsarbeit findet man zwar auch - aber in deutlich geringerem Ausmaß.
Ist es also wirklich so, dass sich Standards durchgesetzt haben oder hinterlassen regelmäßige Besuche von Stylegala, CSS Beauty und Konsorten, nicht doch einen etwas verfälschten Eindruck?
Über Steve Jobs hört man oft, er lebe in einem „Reality Distortion Field“ und ich kann mir ganz gut vorstellen, dass auch wir das tun. Ist man auch nur ein wenig an der Standards-Community interessiert, merkt man, wie stark diese über die letzten Jahre gewachsen ist. Sieht man aber den Markt als Gesamtes, muss man doch eigentlich zähneknirschend zugeben, dass wir (noch) eine kleine Minderheit sind.
Ein schönes Beispiel ist CSS Mania. Dort ist im Moment ein CSS World Award ausgerufen, dessen Juroren übrigens durchaus prominent sind: Andy Budd, Cameron Moll, Molly E. Holzschlag, Roger Johansson und Sergio Villareal. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich dieser Award in Zukunft entwickeln wird.
Aber zurück zum Thema. Es wurden hier 81 Websites in 10 Kategorien nominiert. Von diesen 81 Websites sind gerade mal jeweils eine aus Österreich und eine aus Deutschland dabei.
So betrachtet, sieht die Sache (gemessen am Gesamtaufkommen) schon etwas anders aus.
Natürlich gibt es mittlerweile eine stetig wachsende Zahl an Seiten, die keine Tables mehr verwenden. Mit Webstandards hat das aber genauso wenig zu tun, wie ein valider Code und die Nutzung von CSS allein. Hier keimt in mir manchmal der Gedanke auf, dass Webstandards einfach cool geworden sind ohne wirklich verstanden zu werden. Da gibt es pixel.gifs in divs gebettet genauso wie äußerst komplexe Konstruktionen, deren einziges Ziel es ist, tabellarische Inhalte ohne Tables aufzubauen.
Und mal ehrlich. Der Grundstein für unser erstes Projekt, das wirklich auf Webstandards Rücksicht nahm, wurde Mitte 2004 gelegt. Obwohl ich mich seit mittlerweile 10 Jahren auf das entwickeln von Websites spezialisiert habe, bin ich doch erst seit 2 Jahren ein Standardsverfechter. Da ich aber mit diesen Werten in keiner Weise zu den Spätstartern zähle, muss man eines ganz deutlich sagen:
Der großflächige Umstieg, hin zu webstandardskonformem Design, hat gerade erst begonnen und ich wage zu behaupten, dass er noch viele Jahre dauern wird.
Auch wenn Steve an diesem Punkt wahrscheinlich sagen würde „The transition is over“ …
Reges Feedback wäre spannend: Wo seht ihr den Stand der Dinge?









Hallo Markus!!!!
Mich würde interessieren was du mit Webstandards in Verbindung setz!!!!
Was sind sind für dich ausschlaggebende Aspekte das du sagst…”Das is eine Seite die den Webstandards entspricht” ??
Aja….netter Artikel
Ein wesentlicher Bestandteil ist sicher, dass Inhalt und Optik getrennt sind und die Site semantisch (header, etc.) und accessible ist.
Was du hier ansprichst finde ich übrigens sehr schön! Denn wie du richtig in Frage stellst, sind wir in Wirklichkeit noch nicht mal so weit, dass jeder das Gleiche unter dem Begriff “Webstandards” versteht.
Auf was möchtest du hinaus, Markus? Plädierst du für mehr standardkonforme Webseiten oder wird deiner Meinung nach zu viel Wert auf das Aussehen und zu wenig auf standardkonforme Umsetzung gelegt? Irgendwie werde ich diesbezüglich aus deinem Artikel nicht schlau.
Eigentlich weder noch …
Ich bin mit der aktuellen Entwicklung durchaus zufrieden. Ich finde nur, dass der aktuelle Zustand bei weitem nicht so fortgeschritten ist, dass man die WSA auflösen hätte müssen.
Um das noch mal auf den Punkt zu bringen: Mir geht es um den Anteil standardkonformer Websites am Gesamtmarkt. Der ist meiner Meinung nach noch nicht so groß, dass man sich zurücklehnen könnte …
Ich glaube kaum, dass der jemals einen zufriedenstellenden Anteil erreichen wird. Dazu müssten zunächst beispielsweise alle Browserhersteller an einem Strang ziehen (”IE-Hacks ade” etc.) und, was viel wichtiger wäre, W3C-Vorgaben auch korrekt umsetzen. Ein Traum, der noch lange unerfüllt bleiben wird. Andererseits denke ich mir manchmal: Was nützt die schöne Optik und die standardkonforme Bauweise, wenn sich nichts substanzielles auf der Webseite findet.
ich meine eher das viele Firmen einfach zu faul sind etwas neues zu lernen….
da viele Kunden ja nicht einmal wissen das es so etwas wie Standardkonforme Webseiten gibt und die oben genannten Firmen ihre nicht konforme Webseiten an diese Kunden verkaufen denke ich das es noch zeimlich lange dauern wird bis mehr als 50% aller Webdesigner standardkonforme Seiten erstellen!
So nach dem MOTTO: Warum etwas neues erfinden wenn das alte auch noch geht!!!!
Ich denke das die Kunden besser über solche sachen informiert werden sollten…die Webdesigner ziehen dann sowieso nach!!!
Bin genau deiner Meinung, Markus. Für uns sieht das Web wesentlich CSS-lastiger aus, als aus der Perspektive des Ottonormalverbrauchers.
“Webstandards” sind nur die Grundlagen für das was man als “modernes Webdesign”/”moderne Webentwicklung” versteht. Dazu gehört neben der starken Orentierung an Standards auch die Trennung von Inhalt und Layout, Zugänglichkeit/Barrierefreiheit und Semantik.
Modernes Webdesign ist interdisziplinär und erfordert ständiges Dazulernen.
Den letzten Satz von mätthi finde ich besonders wichtig. Es ist wirklich so, dass Webstandards eher “zwischen” den Webdesignern interessant sind als für den Kunden. Der will seine “Webseite” und gut ist’s dann auch. Die soll “optisch fetzen”…wenn der Designer dann noch ein paar Sprüche klopft mit Stichworten wie “webkonform”, “valide”, “usability” usw., dann isser NOCH zufriedener.
völlig d’accord.
Ich beobachte schon seit einiger Zeit etwas, was ich auch gerne “gegenseitiges Bauchpinseln” nenne.
Die Szene besucht sich und ihre Blogs gegenseitig und alle freuen sich, wie weit sie mit der Verbreitung der Standards sind. Die meisten größeren Agenturen bauen weiter mit Dreamweaver & Co, ohne einen Blick auf den Code zu werfen, geschweige denn sich um Standards, Semantik, usw zu kümmern.
Ich denke, Webstandards sind hierzulande hauptsächlich etwas für early-adapting Einzelkämpfer - ich versuche seit Jahren die Chefs der Agenturen für die ich freelance wenigstens nur mal zu interessieren. Mit dem Ergebnis, dass sie jetzt halt möglichst standardkonforme Seiten kriegen und es nicht wissen
Mein Fazit: Spread the message. Immer noch und gerade und noch mehr.
es ist schwierig einem kunden zu erklären, wie sinnvoll webstandards sind. weil selbst beim näheren hinsehen wirds der “normale” kunde nicht merken.
man muss außerdem dazu sagen, dass webstandards wenn man sich mühe gibt, mehraufwand und mehrkosten für den kunden bedeuten könnten. solange es aber anbieter mit pauschalframes für 350€ gibt, habens die webstandard’ler schwierig.
wie markus schon bemerkt hat, geht aber der trend auch dahin, tabellenlosen design mit “aller gewalt” zu basteln. hierbei werden dann eben soviele div-container verwendet, wie früher tabellen.
@christian fischer
willst du sagen mit dreamweaver kann mann keine “ordentlichen seiten” bauen?
@Mario
: willst du sagen mit dreamweaver kann mann
: keine “ordentlichen seiten” bauen?
… doch, sicherlich. Aber nur schwerlich, ohne auch mal einen Blick in den Code zu werfen - das sagte ich ja auch.
Und ich meinte damit die typische Werbeagentur, die jetzt “auch Webdesign” macht.
Ja, die gibt es noch. mehr als wir uns das alle vorstellen möchten.
Und für die sind Webstandards” ein interessantes Thema, das man mal anschaut, wenn es eine DW-Extension “Make standard/accessible” gibt
doch wie bringt man einem kunden jetzt bei das er sich für die etwas teurere und standardkonforme Firma entscheiden soll anstatt die biliganbieter mit ihrern Frames und der gleichen nimmt???
Mich würde auch interessieren (Da ihr ja hier alle Szene leute seit) ob es so etwas gibt wie Annik Rubens macht um PODCAST bekannter zu machen…so etwas wie einen Podcastbutton oder so…..
Das es soetwas wie Webstandards gibt wissen ja eigentlich nur wenige leute!!!! wie kann man so etwas unter leute bringen die einmal eine Webseite brauchen und dann nie wieder????
Hier:
http://webstandard.kulando.de/post/2006/02/20/argumente_fur_webstandards_-_part_i
http://webstandard.kulando.de/post/2006/02/22/argumente_fur_webstandards_-_part_ii
findet sich eine nette Sammlung mit Argumenten.
), aber die meisten ziehen doch ganz gut.
Ich unterstütze nicht alle - zB streitet man sich gerne mal über das Suchmaschinenargument (und ich bin eh immer vorsichtig, Versprechen über Suchmaschinen zu machen
Es gibt ja durchaus Kunden, die z.B. Barrierearmut als Argument begreifen, wenn man sie erst einmal draufgestossen hat, dass es so etwas gibt, andere sehen da dann immerhin einen Imagegewinn, andere springen auf geringere Kosten bei der Pflege an. Muss man halt gucken, wie der Kunde so drauf ist.
Ja, die Sammlung ist ganz nett um sie in die Argumentation (sofern erwünscht) einzubauen.
Auch ist es (meines Erachtens) ganz sinnvoll schon beim Gespräch Fragen über die Zielgruppe und darüber was mit der Site erreicht werden soll (
huch? sorry, zeile gekillt:
…mittelfristige Umsatzsteigerung. Klar. Ist aber manchen selbst gar nicht so klar ] zu stellen und dann auf die Vorzüge von Webstandards zu lenken. Halt so, dass nicht der EIndruck entsteht man wolle nur “unsichtbare” Features einbauen um den Preis hoch zu treiben
ich möchte ja kurz mal anmerken das webstandards wahrscheinlich auf weniger als 1 % der webseiten eingehalten werden (davon nehme ich einge meiner auch nicht aus). aber solange es leute gibt die für 700 Euro (früherer Artikel in Markus Blog) webseiten kreieren, wird sich das nicht ändern bzw. verbessern. wie will mann den für siebenhundert euro eine standardkonforme webseite machen. es nützt nichts wenn wir 20-30 leute die hier immer mitdiskutieren das tun. das ist wie die nadel im heuhaufen.
Kommt ja auch drauf an wofür man “nur” 700€ verlangt. Eine einfache Online-Visitenkarte, die diverse Webstandards “erfüllt”, wird tatsächlich nur 500-800€ kosten.