Eric und die Webkrauts
Eric hat sich in seinem Weblog Yatil! den Frust von der Seele geschrieben. Grund des ganzen ist eine Vereinigung namens Webkrauts. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, die Verbreitung von Webstandards im deutschsprachigen Raum zu forcieren. Genau das wird aber laut Eric im Moment verabsäumt. Der Grund: Die maßgeblichen Mitglieder, die eigentlich zu den Aktiven gehören sollten, haben kaum Zeit, sich der Bewegung zu widmen. Nun, was ist hier falsch gelaufen?
Bevor ich mit meiner Analyse beginne, möchte ich festhalten, dass diese natürlich nur auf Annahmen beruht. Ich bin weder in die Webkrauts involviert noch habe ich ein Studium an der Universität für Vereinsgründung und –führung vorzuweisen. Ich mache es mir also recht einfach und plaudere mal völlig ungezwungen und inkompetent darauf los …
Der Start
Wenn „alte Bekannte“ der Webbranche einen Verbund gründen, der Webstandards propagiert, ist das Echo natürlich erstmal recht groß. Recht schnell hat man eine eindrucksvolle Zahl an Mitgliedern erreicht. Das ist eine schöne Sache. Der Bewegung werden Vorschusslorbeeren und mediales Echo zu Teil. Zweites kann nie schaden. Glaubt man nun aber, diese Vereinigung wäre erfolgreich, nur weil Sie viele Mitglieder gewonnen hat, begeht man einen Fehler. Die Mitglieder sind ja sozusagen engste Nachbarn. Es ist genau jene Gruppe an Designern, die man nicht mehr zur Verwendung von Webstandards bekehren muss, weil sie das bereits tun.
Weiters sind es Mitglieder, die berieselt werden wollen. Nur ein geringer Teil wird in der Praxis interessiert sein, aktiv mitzuwirken. Folglich ist also der einzige Gewinn, dass es potentiellen Ansprechpartnern vermittelt, dass dieser Verbund eine gewisse Größe hat (was durchaus eine gewisse Qualität vermittelt).
Die Mitglieder
Man muss fragen, was jemanden dazu bewegt, Mitglied bei einer freien Organisation zu werden und natürlich auch, was der Vorteil der Organisation selbst ist, dieses Mitglied zu werben. Für das neue Mitglied, ist es im Falle der Webkrauts, sicher der Coolnessfaktor. Man muss es einfach zugeben: Webstandards sind cool. Mittlerweile gehören Webstandards genauso zu einem Webdesigner, wie iPod, Dreitagebart, halblange fettige Haare und Rollkragenpulli. Kennt man die Branche ein wenig, wird man also schmunzelnd feststellen, dass Webstandards das einzige Unterscheidungsmerkmal zu unseren Kollegen aus der Print-Fraktion sind. Weiters unterstützt eine Organisation natürlich immer das Gefühl, bei einem größeren Ganzen mitwirken zu können – Neuland zu beschreiten. Der Punkt ist also, dass die wenigsten wirklich etwas mit Webstandards am Hut haben. Für viele ist es einfach ein wunderschönes Accessoir.
Ich lege dabei sehr viel Wert auf die Bemerkung, dass ich damit in keiner Weise, die Qualität der jetzigen Mitglieder anzweifeln möchte. Im Gegenteil! Mir geht es hier um die Analyse in Richtung einer potentiell größeren Masse an Mitgliedern. Fakt ist, dass 72 größtenteils passive Mitglieder nicht viel sind. Gemessen an der Größe des Themas, sind es eigentlich erschreckend wenige (oder aber, je nach Konzept, viel zu viele).
Motivation
Wie bringt man nun Mitglieder dazu, Leistung zu bringen?
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Kohle, Moneten, Zaster
Motivation Nummer 1 ist natürlich Kohle. Auch wenn diese, auf Umwegen über möglicherweise daraus resultierenden Aufträgen, gegeben sein kann, wird sie doch nicht der Normalfall sein. Diese Art der Motivation fällt also flach.
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Überzeugung
Die feste Überzeugung der Wichtigkeit einer Sache, gepaart mit deren Negierung in der Öffentlichkeit kann ein starker Anreiz sein. Es werden sich immer gute Leute finden, die für eine Minderheit eintreten, wenn Sie der festen Überzeugung sind, dass sie keine sein sollte. Das Kernproblem dieser Spezies ist, dass sie von Erfolg lebt. Genau dieser ist aber in der ersten Zeit kaum gegeben. Zusätzlich haben solche Personen manchmal den Hang dazu, Gurus zu werden bzw. werden zu wollen. Genau das ist aber in einer völlig losen Institution sehr schwer. Hier wird es immer andere geben, die einem rechtzeitig ein Bein stellen, damit man ja auf Augenhöhe bleibt. Weiters ist die Verlockung, die wichtigen Inhalte unter eigener Flagge zu veröffentlichen, natürlich permanent vorhanden. Seien wir doch ehrlich: Ein bei den Webkrauts gefundener Artikel wird in der Erinnerung, immer „der Artikel, den ich bei den Webkrauts gefunden habe“ bleiben. Die Namen sind da nicht mehr so wichtig.
Überzeugung funktioniert also auch nur bedingt. -
Ruhm, Anerkennung, Prahlerei, etc.
So negativ, wie das klingt, ist das beileibe nicht. Ruhm ist eine grundsolide Motivationsquelle! Erhält man Aufmerksamkeit, durch ein Medium, dass man ohne dieses nie erreicht hätte, gewinnt man persönlich. Wichtig ist, dass man Teil eines handverlesenen Clubs ist.
Sieht man sich A List Apart an, wird man merken, dass die Namen der Verfasser nahezu gleich wichtig präsentiert werden, wie deren Titel. Bei den Webkrauts kommt der Name in der Liste gar nicht vor. Erst im Content und auch da nicht grafisch hervorgehoben, wird der Autor erwähnt. Nahezu dramatisch auch das Fehlen eines Bildes. Es ist nun mal Fakt, dass viele junge Redakteure dafür leben, ihr Foto unter einem ihrer Artikel zu sehen.
Führung
Jede Gemeinschaft und sei sie noch so lose, braucht eine leitende Hand. Jemanden der sagt, wo es lang geht (natürlich sollte diese Person aber auch demokratisch abgewählt werden können). Niemand kann erwarten, dass gute Webdesigner, die Ahnung von Webstandards haben und obendrein schreiben können, auch noch eigenständige Strategen sind. Hier muss ein roter Faden gesponnen werden, dem man als Interessierte(r) folgen kann.
Dann haben wir hier jemanden wie Eric. Er ist jung, engagiert und kompetent, was er durch seine Version des Focus bewiesen hat. Aber viel mehr noch: Er hat den Willen, etwas umzusetzen! Gäbe es eine aktive „Geschäftsführung“, würde sie dieses Potential nutzen. Sie würde schnellstmöglich ein Umfeld schaffen, dass es ihm erleichtern würde, seine Ideen umzusetzen. Und jetzt mal wirklich ganz ganz ehrlich: Eric hat sich mit seinem Artikel so weit aus dem Fenster gelehnt, dass es ein leichtes ist, ihn in den nächsten Monaten für jede erdenkliche Aufgabe innerhalb der Webkrauts einzuspannen …
Die Lösung?
Ein praktikabler Weg ist es, eine monatliche Redaktionskonferenz (durchaus nur per Mailverteiler) einzurichten. Hier sollte jeder deklarieren, was er in den nächsten 4 Wochen vor hat. Erst durch diese Deklarierung entsteht eine selbst auferlegte Bringschuld, ohne die über längeren Zeitraum nichts entstehen kann.
Ich denke auch, dass es wichtig ist, einen Sprecher zu wählen, der gewisse Rechte hat. Dieser sollte vor allem dafür verantwortlich sein, grobe Themen vorzugeben, damit die Redakteure eine Basis haben, auf der sie arbeiten können.
So doof und uncool es auch klingen mag: Ohne Strukturen kann nichts entstehen.









Wieder mal ein netter Artikel!!!
Eine auch gute Lösung….meiner Meinung nach…wäre das ganze so wie in Österreich zu gestallten….
http://www.accessiblemedia.at/
find das eine gute Lösung, da die viel Anbieten!!!
So wie die Veranstalltung “Warum barrierefreies Internet”…da waren immerhin 170 Leute!!!
Auch Eric war dabei!!!…..die haben auch Erics Lösung eines Metablogs schon umgesetzt!!!!
Stimmt, die machen das sehr gut!
haha.!!!
geile idee!! halloween edition!!!!
sua cool!!!!…das sind die vorteile von CSS!!!!
Ist ja toll, daß Du Erics Weblog liest. Warum glaubst du allerdings nicht nur eine Meinung, sondern eine Analyse über die Webkrauts abliefern zu können, obwohl du von ihnen gar keine Ahnung hast? Die Schreibenergie hättest Du Dir, jedenfalls auf den konkreten Fall bezogen, sparen können.
Da magst du Recht haben, Jens. Ich habe auch lange darüber nachgedacht, ob es OK ist, meine Sicht zu veröffentlichen.
Du hast sicher bemerkt, dass es sich um einen bewusst sehr allgemein gehaltenen Text handelt, der (angemerkter Weise) den Eindruck eines nicht involvierten widerspiegelt.
Wenn Details über öffentliche Organisationen publiziert werden, ist es nun mal so, dass sich außen stehende Menschen eine Meinung dazu bilden. Selbst Meinungskästen in großen Medien basieren auf diesem Prinzip. Die Urheber sind dort (Gott sei Dank) nur selten Teil der (politischen) Fraktionen über die sie schreiben.
Letztlich habe ich also nicht eingesehen, warum ich in meinem privaten Weblog nicht auch mal meine private Meinung zu einem aktuellen Thema kundtun darf.
Also Webkrauts gegründet wurde, waren Webstandards schon lange nicht mehr cool, sondern Standard. Eine derartige Vereinigung wäre zwei Jahre früher sicherlich erfolgreicher gewesen.