13.10.2006

Was macht einen (guten) Designer aus?

Ich fand den Gedanken recht spannend, sich mal vor Augen zu führen, was einen Designer eigentlich ausmacht. Was sind die Eckpunkte dieses Jobs? Nun, in Folge meine Gedanken dazu, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Talent

Talent ist die Basis alles positiven Schaffens. Man kann sich noch so viel mit Design auseinandersetzten – ohne Talent, wird man nie wirklich gut werden.
Andererseits ist Talent auch nicht zu überschätzen. So wichtig es als Grundlage für die Ausübung dieses Berufs auch sein mag – am Ende des Tages macht es nicht viel mehr als bestenfalls 20% unserer Arbeit aus.

Kreativität

Wenn von der Kreativität eines Designers gesprochen wird, denkt man immer an eine Wahnsinnsidee, verrückte Layouts und krass übergestaltete Pages. In Wirklichkeit erfordert es aber viel mehr Kreativität, innerhalb abgesteckter Notwendigkeiten und Vorgaben ein optimales Ergebnis zu erzielen, als sich einfach ohne Grenzen in Photoshop zu spielen. An meinen Projekten gemessen (obwohl da eigentlich nicht wirklich viel verspieltes zu entdecken ist), würde ich z.B. behaupten, dass es viel mehr Kreativität erfordert, eine Anwendung wie KURIER mit seinen ultrasauberen Layouts zu entwickeln, als die völlig zwanglos geborene Idee, eine Schreibmaschine fotografieren zu lassen und in Photoshop zu pimpen. Obwohl man das im ersten Moment vielleicht anders sehen mag.

Kontinuität

Es ist wichtig einen Qualitätsstandard zu halten. Natürlich gibt es immer wieder Designs, mit denen man glücklicher ist als mit anderen, aber kein Projekt sollte unter einem gewissen Qualitätsstandard liegen. Warum? Nun, erstens macht es viel mehr Spaß, Projekte zu entwickeln, auf die man stolz sein kann und zweitens wären da noch die berühmten …

Referenzen!

Referenzen sind das Brot eines Designers. Man kann noch so fesch gekämmt und mit geputzter Nase zu einem Kundengespräch gehen - hat man keine guten Referenzen, wird es deutlich schwerer, einen Auftrag zu bekommen.
Der Grund dafür wird mit einem simplen Beispiel schnell plausibel: Wer würde sich in einem Studio tätowieren lassen, dass erst ein paar Tattoos gemacht hat, die allesamt windschief und unsauber aussehen? Ich nicht.

Genau aus diesem Grund ist Kontinuität so wichtig. Jedes Projekt, dem man seine volle Kraft widmet, ist auch immer gleichzeitig eine Investition in die eigene Zukunft.

Kommunikation

Eine (wenn nicht DIE) wesentliche Aufgabe eines Designers, ist es herauszufinden, was der Kunde sich wünscht. Gerade Designfragen spielen sich oft auf einer nicht gefestigten emotionellen Ebene ab. Hier ist es essentiell, sich durch gezielte Fragen einen Eindruck zu verschaffen und den Kunden dabei zu unterstützen Wünsche zu formulieren.

Hat man den Kundenwunsch definiert, sollte man ein kleines Konzept erstellen, dass diese Wünsche erstmal völlig außer Acht lässt. In Folge wird das Ergebnis dieser Gedanken mit den ursprünglichen Wünschen verglichen. Manchmal decken sich die Ergebnisse der Überlegungen. Manchmal differieren sie.

Nun könnte man es sich natürlich einfach machen und ein Projekt trotzdem so umsetzen, wie der Kunde es haben möchte. Alle sind glücklich (natürlich nur bis es die ersten Auswertungen gibt) und die Projektlaufzeit verkürzt sich deutlich. Als schöner Nebeneffekt, wird der Gewinn gesteigert. Genau hier definiert sich dann aber der Unterschied zwischen Grafiker und Designer.
Setzt man, entgegen besseren Wissens, Wünsche 1:1 um, ist man bestenfalls ein Grafiker, dessen Leistung nur aus dem Verschönern einer Sache besteht. Die Aufgabe eines Designers ist aber deutlich mehr als optisches Geplänkel (so wichtig das auch sein mag). Das Ziel muss immer sein, ein Produkt so spannend, pointiert und einfach nachvollziehbar wie möglich zu präsentieren. Es ist also eine Notwendigkeit, das eigene Know How in ein Projekt einfließen zu lassen.

Aber Achtung: Man darf dabei nicht übersehen, dass der Kunde viel mehr Sachverstand vom Thema hat als man selbst. Dieses Wissen birgt ein großes Potential und muss natürlich genutzt werden. Zu oft hab ich erlebt, wie arrogante Designer einem Kunden etwas aufschwatzten, das schlicht dumm war. Solche Fehler sind nicht nur vermeidbar sondern auch hochgradig ärgerlich. Zuhören ist da eine ganz wichtige Sache, die eigentlich auch jeder lernen kann.

Budgetierung

Will man bestmögliche Arbeit abliefern und dabei gleichzeitig seine Kinder ernähren, muss man Projekte richtig budgetieren. Ich hab es an anderer Stelle schon mehrmals erwähnt: Wer versucht, Projekte ausschließlich über Billigangebote zu bekommen, hat nach einer allfälligen Bestellung nur zwei Möglichkeiten.

Variante 1: Schlechte Arbeit abliefern, damit das Projekt profitabel bleibt. Ein Gedanke, der mir erstens nicht gefallen mag und zweitens konträr zu den Überlegungen unter dem Punkt „Referenzen“ liegt.

Variante 2: Das Budget vergessen und so viel Arbeitszeit investieren, wie das Projekt benötigt. Die Folge: hungernde Kinder.

Teamwork

Die Skills, die bei einem modernen Webprojekt benötigt werden können, sind vielschichtig. Hier sollte man sich als „kleiner Selbständiger“ davon verabschieden, alles selber machen zu wollen. Es ist wichtig, für alle wesentlichen Bereiche, kompetente Partner zu haben. Das ist oft die bessere Lösung als Know How intern aufzubauen, bietet Flexibilität und ermöglicht einem, die Fokussierung auf eigene Kernkompetenzen.

Typografie

Ob man es wahr haben will oder nicht: Gut die Hälfte unserer Zeit, verbringen wir mit typografischen Entscheidungen. Folglich gibt es nichts Wichtigeres, als sich den richtigen Umgang mit Typografie anzueignen. Da dieses Thema nicht unbedingt neu ist, gibt es dazu auch massenhaft Literatur. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Auch wenn die Möglichkeiten im Web beschränkt sind, ist es doch wichtig, das große Ganze zu verstehen.

So! Eigentlich wollte ich diesen Beitrag „10 Punkte für …“ oder ähnlich nennen. Das scheint im Moment modern zu sein und vermittelt Kompetenz. Dummerweise sind es aber nur 8 Punkte geworden …

11 Kommentare zu „Was macht einen (guten) Designer aus?“

  1. Markus

    Sehr schöner Beitrag. Wenn du jetzt zu dem ein oder anderen Punkt noch ein paar Links hättest wäre er perfekt. Ich suche schon seit längerem einen guten Artikel bzw. ein gutes Buch das anschaulich und verständlich die Grundlagen der Typographie darstellt.

  2. Christian Fischer

    Ich fand “Crashkurs Typo und Layout” von Cyrus D. Khazaeli sehr hilfreich, um schnell einen Einstieg zu bekommen

  3. mätthi

    Ich denke das Referenzen hier falsch am Platz sind!!!
    Zumindest passen sie nicht zur Überschrift!

    Ich denke nämlich das es auch gute Designer gibt die noch nicht die Chance hatten an vielen Projekten ihr können zu beweisen. Drum denk ich nicht das Referenzen einen guten Designer ausmachen!!!

    Oder hab ich den Punkt falsch verstanden

  4. Markus Stefan

    Natürlich fängt jeder mal klein an. Ich bin auch nicht mit dutzenden Referenzen auf die Welt gekommen. Der Kunde geht aber davon aus, dass Designer mit guten Referenzen mehr Erfahrung zu bieten haben als welche mit schlechten oder gar keinen.
    Insofern hab ich das vielleicht zu sehr auf Designer bezogen, die schon länger im Geschäft sind und hab die „Anfänger“ außen vor gelassen. Fakt ist aber, dass Referenzen zu den wichtigsten Entscheidungsgrundlagen für den Kunden zählen.
    Ausgenommen aus der Bewertung gut/schlecht (wobei das gar nicht das Ziel des Artikels war) sind natürlich junge Designer, die wenig bis gar keine Referenzen haben. Das ist dem Kunden dann aber auch klar und vielleicht sogar ein Anreiz, jemanden mit frischen Ideen mit einem Projekt zu betrauen.
    Ich gehe aber auch immer davon aus, dass man sich nicht gleich Selbständig macht sondern sich seine Lorbeeren als Mitarbeiter einer Agentur verdient. Hat man das erfolgreich hinter sich, sollte eigentlich jeder was Herzeigbares vorweisen können.

  5. Marco

    Hallo,

    zunächst: Sehr gelungener Artikel. So gelungen, dass ich mir ihn gleich ausgedruckt habe - und somit auf ein kleines Problem in diesem Blog stieß.
    Was im Internet sehr schön aussieht, geht beim Drucken (FF 1.5.0.7 unter Win XP) schief - die Überschrift. Beim Ausdruck hat nämlich das Datum als auch die eigentliche Überschrift beides schwarze Farbe, sodass sich beides vermischt.
    Ich hoffe, das kann behoben werden - wollte das nur mal anbringen.

    Liebe Grüße,
    Marco

  6. Markus Stefan

    Hi Marco,

    ich bin leider bis heute nicht dazu gekommen, ein vernünftiges print.css zu machen. Ich hab jetzt aber zumindest mal dieses Problem gefixt. Danke für den Input!

  7. Martin Labuschin

    Absolut geiler Artikel. Hab dir aus dank für die schönen 10 Minuten (Lesen) einen Link geschenkt. http://labuschin.com/tipps/design/was-macht-einen-guten-designer-aus

  8. ConnyLo

    Wie schön, dass Du die Typografie als so wichtig empfunden hast! Wird leider nicht überall so gesehen. Meine Ergänzung zu allen Punkten ist die Empfehlung, Leidenschaft zu entwickeln/haben/erhalten. Das Durchbeissen, das nicht Nachlassen, der Qualitätsanspruch usw. lässt sich nicht ohne dem durchhalten. Ohne dem wird jedes Design zum “Job” ohne Seele.
    Ach ja, Kunst kommt von Arbeit.

  9. Markus Stefan

    @Martin: Mille Grazie! :-)
    @ConnyLo: Sehr gute Bemerkung! Ohne Leidenschaft bzw. den Spaß an einer Sache, kommt man nicht sehr weit.

  10. Martin

    Schöne Zusammenstellung. Ich möchte dazu noch einen Link beisteuern: How to work with a designer: http://www.will-harris.com/design/working-with-designers.html

  11. mätthi

    hab so eben bei pixelgraphix diesen tollen link entdeckt…..und denke das dieser Artikel hier gut hinein passt!!!
    7 Habits of a Highly Successful Freelance Web Designer

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