21.01.2007

Was darf ein Logo kosten?

Ich hab bei Milos einen Link auf eine Diskussion gefunden, die sich mit der Frage beschäftigt „Was soll man für ein Logo zahlen“. Hier gibt es wie schon bei meiner 700 Euro-Diskussion sehr unterschiedliche Meinungen. Manche meinen, es wäre eine Frechheit, 3.000 Euro für ein Logo zu verlangen, währenddessen andere das 30 Dollar Beispiel von dem nike-Logo nicht nachvollziehen können.

Nun muss man festhalten, dass das nike-Logo nach meinen Recherchen 1971 erstellt wurde. Warum das einen Unterschied macht? Nun, in den Siebzigern kostete ein farbiksneuer VW Passat ein wenig mehr als 5.000 Dollar. Insofern sind die (meiner Info nach) 35 Dollar in einem anderen Kontext zu sehen.

Trotzdem bleibt der Preis natürlich sehr gering. Wir finden hier aber auch ein klassisches Bild wieder. Carolyn Davidson (die Designerin) war Studentin. BRS brauchte ein Logo für eine neue Turnschuh-Linie, die es noch gar nicht gab. Die Basis war also nicht die Selbe, wie wenn nike heute an die Tür klopfen würde, mit der Bitte, ein neues Logo zu entwerfen. Es handelte sich damals um einen klassischen Studentenjob für eine Produktlinie, deren Erfolg ungewiss war. In diesem Kontext gesehen, ist das 30 Dollar Beispiel nicht 1:1 ins Heute zu übertragen und ich denke auch, dass dieses Beispiel bewusst gewählt wurde, um eine lebendigere Diskussion zu provozieren. Carolyn Davidsons Honorar wurde übrigens in den 80ern nachträglich mit nike-Aktien aufgestockt.

Wer hat denn nun Recht?

Was ist denn jetzt der richtige Weg? Muss ein Logo für ein paar Hunderter machbar sein? Kostet es ein paar Tausender? Geht es an die Hunderttausend und darüber?

1., Der (seriöse*) Billiganbieter

* Die anderen Billiganbieter lasse ich hier mal aussen vor.

Es gab, gibt und wird sie immer geben, die kleinen Firmen, deren Werbebudget gleich Null ist. Warum sollten sie nicht die Möglichkeit haben, ein Logo zu kaufen? Wichtig ist doch letztlich nur, dass der Anbieter richtig kalkuliert. Wenn ein Designer innerhalb eines seriösen (!) Stundensatzes in ein paar Stunden etwas halbwegs Brauchbares zaubern kann, warum sollte er es nicht tun? Man kann sich ja auf z.B. zwei Entwürfe festnageln und jeder weitere kostet dann die Summe X. Der Punkt ist, dass ein Kunde mit diesen Voraussetzungen, unter normalen Umständen, kein Logo kauft. Hier wird der Markt also nicht mit Billigangeboten beraubt sondern erweitert. Wichtig ist, dass alles seriös kalkuliert ist und man dem Kunden nichts vorlügt. Oft stellen Billiganbieter ihre in ein paar Stunden entwickelten Designs mit weitaus hochwertigeren gleich, deren Zeitaufwand und konzeptioneller Input um ein vielfaches höher war. Ich habe auch manchmal das Gefühl, dass sie wirklich davon überzeugt sind, die Qualität wäre gleich. Das ist natürlich genauso kurzsichtig und unrichtig, wie ärgerlich für alle anderen Anbieter und letztlich auch den Kunden.

2., Das Mittelfeld

Hier sind wir also bei den paar Tausendern angekommen. Das ist ein Bereich, in dem man mit Fug und Recht ein gutes Ergebnis erwarten kann. Es sind Profis mit Erfahrung am Werk und für ein klassisches KMU ist dieser Anbieter höchstwahrscheinlich die richtige Wahl. Hier bekommen Unternehmen die Zuwendung und spezifische Auseinandersetzung, die sie brauchen. Der Preis dafür ist natürlich deutlich höher, aber auch leicht zu rechtfertigen.

Sagen wir, ein Unternehmen benutzt ein Logo selbst nur 10 Jahre. Wenn man wirklich daran glaubt, dass einem Markenelemente einen Wettbewerbsvorteil schaffen: Ist es dann nicht sehr wahrscheinlich, dass bei einem Firmenumsatz von sagen wir nur 3.000.000 Euro in diesen zehn Jahren, zumindest die 5.000 Euro Projektkosten durch den Vorteil einer erhöhten Präsenz rückerwirtschaftet werden?

3., Die klassische Agentur

Hier bewegen wir uns in recht hohen Preisregionen, wofür Agenturen immer wieder gerne beschimpft werden. Es sei eine Frechheit, diese Preise zu verlangen und zum Teil (bei kleineren Kunden) mag das ja stimmen. Hier ist natürlich anzumerken, dass manch hochpreisige Agentur auch nicht mehr Leistungen bietet als die kleine One-Man-Show von nebenan. Auch hier gibt es natürlich unseriöse Anbieter. Der Punkt ist aber, dass es oft so dargestellt wird als wäre es die Regel und das stimmt so nicht.

Anderer Meinung? Nun, dann sage ich jedem, der diese negative Meinung Agenturen gegenüber ohne Zwischentöne verfolgt: Gehet hin und bedient einen Kunden wie General Motors, Coca Cola, etc., und gebt ihm genau das was er braucht (inkl. Research, Tests, Internationalisierung, etc.) mit einem Budget von 5.000 Euro ohne dabei Verluste zu schreiben. Das ist völlig unrealistisch. Alleine mit den dafür notwendigen Terminen ist das Budget innerhalb kürzester Zeit verbraucht.

Man muss auch sehen dass bei Konzernen, die jährlich Milliarden umsetzten, jedes Detail viel größere Auswirkungen hat als bei einem 10-Mann-Betrieb.
Da sind Projektkosten in der Höhe sechsstelliger Eurosummen schnell wieder verdient, wenn nur alles zu 100% richtig auf den Markt ausgerichtet wurde. Sie sind aber genauso schnell verloren, wenn Fehler gemacht wurden.

Fazit

Es gibt unterschiedliche Kundentypen mit unterschiedlichen Anforderungen und es gibt unterschiedliche Anbieter, die sich auf diese Kundentypen spezialisiert haben.
Wichtig ist nur, einen Markt für sich persönlich festzulegen und auch ausschließlich diesen zu bedienen. Mit all den Notwendigkeiten (z.B. Personalstand), die sich daraus ergeben.
Unter diesen Aspekten stellt sich nicht die Frage ob der Kunde 500, 5.000 oder 50.000 Euro für ein Logo ausgeben soll.

Es ist letztlich alles, unter extrem unterschiedlichen Ausgangssituationen, die richtige Wahl.

15 Kommentare zu “Was darf ein Logo kosten?”

  1. Milos says:

    Vielen Dank für deine Ausführungen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir meine Meinung noch nich gebildet habe und die Diskussion schon zum Nachdenken anregt! Ich kann irgendwie beide Meinungen verstehen. Wahrscheinlich auch, weil ich kein Grafiker bin und erst recht nicht viel über Logos und CD/CI verstehe…

  2. nodh says:

    »Insofern sind die (meiner Info nach) 35 Dollar in einem anderen Kontext zu sehen.«
    Nun gut, die 35 Dollar sind heute vielleicht 136–386 Dollar wert. Nur zur Vervollständigung ;)
    (http://www.measuringworth.com/calculators/compare/)

  3. Danke für die Umrechnung und den Link!
    Natürlich ist das trotzdem nicht viel Geld (erwähne ich ja auch in Folge) aber der Vergleich ist, unter Einbeziehung des Wertverfalls, deutlich realistischer. Wenn heutzutage ein Schüler für einen Lehrer arbeitet, wird der Preis wohl leider nicht viel höher angesiedelt sein.

  4. klawab says:

    Herr Stefan,

    der Kommentar der Ihrerseits bei myhammer,
    Auftrag 423606 abgegeben wurde, wurde als
    absolut überflüssig und unnötig eingestuft.
    Daher habe ich mir erlaubt, den Quatsch zu löschen.

  5. Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie einen Kommentar bei myhammer hinterlassen. Hab ja nicht mal einen Account dort!

  6. Just_older says:

    Ja http://www.my-hammer.de ist wohl die fantastischste Seite die es im World Wide Web gibt. Ich frage mich noch immer wie es sein kann, dass eine Firma eine Website für 25 Euro redesigned ;-) Solche Seiten machen den ganzen Markt kaputt, aber das ist wohl die typische deutsche Lebenseinstellung “Geiz ist geil”. Warum richten die sich nicht gleich ne Beepworldseite ein? ;-)

    @MS: Cooler Blog, bin begeistert :)

  7. Stimmt. Ich versteh auch nicht, was sich die Leute von diesen 25 Euro Angeboten versprechen. Wahrscheinlich muss der Kunde die Differenz zu einem seriösen Budget dann bei Folgeaufträgen bezahlen.
    @Cooler Blog: Freut mich!

  8. Hallo Stefan / Hallo Ihr Alle

    Nein, agressiv will ich gar nicht werden:-) Ihr sprecht mir-bzw uns allen in unserer agentur aus dem/den Herzen. Wir bieten grundsätzlich in diesen Portalen wie myHammer mit und bewußt nur reguläre- bzw wenn´s uns mächtig ärgert auch mal total überzogenen Preise. Wir hoffen, damit Nachahmer zu finden, damitdieser Sumpf endlich-wenigstens etwas ausgetrocknet wird!!!sicherlich, Zeit und Nervenaufwendig, ein Kampf gegen windmühlen, aber wir sehen da einen ganz üblen Trend auf uns zukommen und wir stellen uns diesem.Erst geglaubt, gute Arbeit setzt sich durch+für die kann man auch gutes-sprich angemessenes Geld verlangen, merken wir, das immer mehr Kunden zwar erstklassige Arbeit verlangen, aber gleichzeitig nur myHammerpreise zu zahlen bereit sind…! Und bevor dieser Trend komplett umschwingt möchten wir diesem entgegensteuern. Toll, das wir damit wohl nicht alleine sind! Weiter so! Unsere Unterstützung habt Ihr- Vielleicht sollten wir eine Art Netzwrk gründen, und unsere Einzelaktionen künftig besser koordinieren, damit wir nicht umsonst studiert haben und eines Tages für 27€uro Logos gestalten müssen!!!

  9. Max says:

    Dann hoffen wir mal, dass jetzt nicht alle anfangen Ihre Logos in China entwerfen zu lassen:

    http://www.hoemmerich.com/2006/weniger-als-10-cent-lohn-fur-das-olympische-logo/

  10. Mir ging es in meinem Posting auch um das offenbar erfolgreiche Geschäftsmodell einer Firma wie Logoworks, die mit Grafik-Designern aus aller Welt arbeiten. Da gibt es eben auch Qualität zu Billigpreisen, nämlich aus Niedriglohnländern. Übrigens haben Designer, die bei Logoworks mitarbeiten so gut wie keinen Akquiseaufwand mehr. Auch das wirkt preissenkend. Usw.

  11. Dietmar says:

    die kosten sollten schon angemessen sein
    man kann das nicht verallgemeiner aber wenn man dann z.b. das neue logo vom “Arbeitsamt” nimmt wofür 200.000 euro bezahlt wurden – war das leicht verdientes geld und rausgeschmissene steuergelder um nicht zu sagen veruntreute gelder

  12. @Dietmar: schon, aber wen ich mich recht entsinne, gehörten auch immense Druckkosten zu den von dir genannten 200.000 € – insofern relativiert sich das wieder… Sollte das stimmen ;-)

  13. OG says:

    Spätestens im Zeitalter des Neoliberalismus sollte man über Preise nicht stöhnen, denn jetzt wendet doch der Markt, d.h., Angebot und Nachfrage alles zum Guten, oder etwa nicht? Wem also ein Logo zu teuer ist, der braucht es ja nicht zu erwerben. Die Freiheit der Marktsubjekte ist die Freiheit des zur Verfügung stehenden Kapitals. Wer keines oder zu wenig davon hat, hat auch nicht die Qual der Wahl.

  14. Dietmar says:

    hi andreas: soweit ich weiß waren das nur die kosten für das design – und das hat sich nicht gerade gravierend geändert – die gesamtkosten für die umstellung sollen bei 500.000 gelegen haben (hab ich jedenfalls mal gelesen – ok mag auch nicht alles stimmen was so in der regenbogenpresse steht ;) )

    hast ne supergeile webseite – sieht richtig gut aus

  15. @Dietmar: Vielen Dank für das Lob =) Hört man gerne, sowas!

    Was die Kosten betrifft.. OK, da kursieren jetz 2 Meinungen, keiner weiß genau, was stimmt… *g* Aber halten wir fest: Es war nicht gerade billig. Und in der Tat: geändert hat sich fast nichts…

    Was den Beitrag und das Fazit oben angeht: Auch an diesem Beispiel sieht man, dass das oben geschriebene schon irgendwie stimmt.

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